Wirtschaftspolitik:

zu den Ursachen der Flucht aus Afrika

 

Hilfe zur Selbsthilfe in Afrika: Jetzt konkrete Maßnahmen umsetzen!

Nach Europa kommen immer mehr Zuwanderer aus Afrika und dem Nahen Osten. Die meisten Flüchtlinge leben in Flüchtlingslagern in der Türkei, in Pakistan, im Libanon, Iran, Äthiopien und Jordanien. Jedes Jahr sterben tausende Menschen im Mittelmeer oder der Sahara auf dem Weg nach Europa und wir haben einen Anteil daran, der sich mit der Abschottungspolitik weiter verstärkt. Stattdessen ist eine wirkliche Hilfe zum Abbau der Fluchtursachen nötig.

In Krisengebieten muß die Hilfe zur Selbsthilfe gestärkt werden. Das erreicht man nicht dadurch, daß man Länder, die vom Krieg zerstört sind und von den Kriegsfolgen gezeichnet sind, zu sicheren Orten erklärt. Dazu gehört endlich der Stopp aller Rüstungsexporte in Länder außerhalb der EU.

Im Namen der Migrationskontrolle unterstützt die EU nordafrikanische Bürgerkriegsmilizen und will "Auffanglager" in demokratisch unsicheren Gebieten unterstützen, aus denen Ärzte-ohne-Grenzen von Misshandlungen und Vergewaltigungen in bestehenden Flüchtlingslagern berichten. Internierungslager und eine von afrikanischen Autokraten abgesicherte Festung Europa verletzten die demokratischen Grundwerte.

Mit Kampfbegriffen und Kampagnen wie "Heimatministerium", "Abschiebeoffensive" und Drohungen/Ultimaten versucht die CSU Zurückweisungen an den deutschen Grenzen durchzusetzen.

Die ÖDP steht zum Asylrecht und zur Genfer Flüchtlingskonvention. Das Recht auf Schutz und Asyl für politisch oder rassistisch Verfolgte muß erhalten bleiben, darf aber nicht in ein Sonderrecht zur Einwanderung umfunktioniert werden.

Zur demographischen Entwicklung

Neben der Flucht aus Kriegsgebieten, haben vor allem demografische Entwicklungen in diesen Regionen einen starken Einfluss auf diese Fluchtbewegungen. In den Staaten Afrikas und des Nahen Ostens wird sich die Zahl der Menschen bis 2050 auf über 2,7 Milliarden Menschen mehr als verdoppeln.

Weil es auf Grund des Bevölkerungswachstums überproportional viele junge Menschen gibt, die erst noch ins Alter der Familiengründung hineinkommen, wird die Bevölkerung dort weiter stark wachsen. In Ländern wie Niger oder Uganda ist die Hälfte der Bevölkerung jünger als 15 Jahre.

Der Tschad hat mit durchschnittlich sechs Kindern pro Frau eine der höchsten Bevölkerungswachstumsraten der Welt. Die Einwohnerzahl hat sich dort in den letzten 20 Jahren beinahe verdoppelt und liegt nun bei über 11 Millionen. Bis 2050 dürfte sie um das Zweieinhalbfache auf gut 27 Millionen geklettert sein. Von diesem Wachstum ist der ohnehin fragile Staat überfordert. Mangelnde Perspektiven auf dem Land führen zu verschärfter Migration in die städtischen Räume, die sich dadurch zu Megastädten mit Slums entwickeln.

Wurden im Jahr 1950 nur 10% aller Kinder in Afrika geboren, werden es im Jahr 2040 rund 40% sein. Leben derzeit noch 16 % der Weltbevölkerung in Afrika, werden es in 35 Jahren 25% sein - und am Ende des Jahrhunderts etwa 40%. Dabei bekommt eine Frau in Afrika mit 4,7 Kindern im Schnitt zwei Kinder weniger als noch 1970.

Es hätte große Auswirkungen auf das Bevölkerungswachstum, wenn sich das durchschnittliche Alter eines erstgebärenden Mädchens in Afrika zwei Jahre nach hinten verschieben würde.

Die Verheiratung Minderjähriger, die in vielen Ländern praktiziert wird, verstößt gegen die UN-Menschenrechtskonvention. Wenn auf die Hochzeit bald die Geburt des ersten Kindes folgt, birgt dies große gesundheitliche Gefahren für die Mädchen, insbesondere wenn sie mangelernährt oder noch nicht ausgewachsen sind. Für 15- bis 19-Jährige stellen Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt weltweit die häufigste Todesursache dar. Die Müttersterblichkeitsrate ist bei ihnen doppelt so hoch wie bei Frauen zwischen 20 und 24 Jahren.

Wenn Frauen selbst entscheiden können, wie viele Kinder sie bekommen, haben sie meist kleinere Familien und die Geburtenrate sinkt.

Es gibt eine große Scheu, sich in ein so privates Thema wie Familienplanung einzumischen. Es ist aber legitim, zu versuchen, die Bevölkerungsentwicklung zu steuern, wenn man den Menschen die Entscheidungsfreiheit lässt.

Wichtig sind Investitionen in die Gesundheit, Geschlechtergerechtigkeit, Bildung und Arbeitsplätze für junge Menschen, außerdem rechtzeitige Sexualaufklärung und der Zugang zu Verhütungsmöglichkeiten.

Eine verbesserte Gesundheitsversorgung führt zugleich zu einer steigenden Lebenserwartung, so daß mehr Menschen länger erwerbstätig sein können.

Ein entscheidender Faktor ist die Bildung und die Gesundheitsversorgung insbesondere von Frauen. Zur Gesundheit gehört die Verfügbarkeit von Information und Mitteln zur Familienplanung. Denn nur mit deren Hilfe können junge Menschen ihrer Verantwortung zur Planung ihres Nachwuchses auch nachkommen. Aber rund 215 Millionen Frauen auf der Welt haben keinen Zugang zu modernen Verhütungsmitteln, obwohl sie eine Schwangerschaft gerne vermeiden würden.

Bildung und Arbeit

Das Einkommen ist in den meisten Ländern sehr ungleich verteilt. Während die Eliten in manchen Ländern Afrikas sehr gut versorgt sind, leben weite Teile des Volkes in Armut. Vor allem in Angola, Liberia und Sambia sind die Einkommensunterschiede extrem.

Viele der jungen Menschen können zwar eine Schulbildung vorweisen, doch auf dem Arbeitsmarkt werden ihre Fähigkeiten kaum benötigt. Solche Länder stecken in einem Kreislauf aus Armut, Unterentwicklung, hoher Kindersterblichkeit und hohen Kinderzahlen. Arme Länder mit hohem Bevölkerungszuwachs haben nur dann eine tatsächliche Entwicklungschance, wenn sich das Bevölkerungswachstum verlangsamt, wenn die Geburtenraten sinken.

Es besteht eine globale Bildungskrise. 264 Millionen Kinder haben weltweit keinen Schulzugang und Millionen Kinder, deren Bildungsweg durch Kriege, Krisen und Flucht versperrt ist, sind eine verlorene Generation.

Die EU sollte die Ausbildung für eine nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft in Afrika massiv fördern, Billigexporte subventionierter Nahrungsmittel und Reste aus Europa verbieten und den Fischfang vor Afrikas Küsten beenden. Langfristig müssen die betroffenen Menschen in die Lage versetzt werden, sich selbst zu ernähren. Da über 50 % der Hungernden Kleinbauern sind, ist die Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft hierbei zentral.

Moderne Landnahme, auch Landgrabbing genannt, entsteht durch private und staatliche Investoren die ständig auf der Suche nach riesigen Landflächen sind, um Agrartreibstoffe anzubauen, Futtermittel zu exportieren oder um damit zu spekulieren. Über Fälle von Landgrabbing wird aus Sambia, Uganda, Kongo und Mosambik berichtet. Wenn die Bundesregierung wirklich die Fluchtursachen bekämpfen will, dann sollte sie zu allererst nicht die Existenzbedingungen der Menschen zerstören.

Traditionelles Saatgut muß bewahrt und weiter genutzt werden.

Die rasante Abholzung der Wälder muß verhindert werden. Die EU sollte Aufforstungsprojekte in Dürregebieten unterstützen. Das ist möglich durch die Nutzung von Abwässern und brachliegenden Landes. Klimatische Veränderungen verstärken auch die Regenfälle in Afrika. Die nomadisch lebende Bevölkerung im Osten Afrikas leidet besonders unter der Dürre.

Brunnen und Wasserpumpen benötigen große Wassertanks. Nachhaltige Hilfe muß langfristig angelegt sein. Fruchtbare Böden sind auch große Wasserspeicher. Aber der Einsatz von Agrochemie und die Versiegelung der Landschaft vergrößert die Wassernot.

Eine wesentliche Herausforderung der kommenden Jahre besteht darin, eine wachsende afrikanische Jugend in Arbeit zu bringen. Ein unzureichend regulierter Handel vergrößert die weltweite soziale Ungleichheit. Wir fordern einen wirklichen fairen Freihandel unter gleichberechtigten Partnern. Die Fluchtursachen müssen entschlossen reduziert werden, insbesondere durch die Umwandlung aller europäischen Freihandelsabkommen in faire Handelsabkommen, die Umwelt- und Sozialdumping auf beiden Seiten verhindern. Nachhaltige Energieprojekte sind ebenfalls sinnvoll.

Die Fluchtursachen liegen neben den Bürgerkriegen in einer rückständigen Produktivität. Ein Drittel der weltweiten Rohstoffvorkommen liegen in Afrika. Kriminelle Netzwerke aus zwielichtigen Händlern und internationalen Großkonzernen haben sich den Zugang zu den Ressourcen gesichert und greifen die Gewinne systematisch ab. In Ressourcenstaaten korrumpiert die Ressourcenrente die politischen Systeme dieser Staaten. So übernahmen und zerstörten chinesische Firmen die einheimische Textilindustrie in Nigeria und übernahmen die Kontrolle über den Markt. Der Markt besteht heute zu 85% aus Importen, obwohl dort der Import von Textilien eigentlich illegal ist.

Statt Gewalt, Korruption und Missmanagement ist ein funktionierender Staatsapparat nötig. Eine effiziente Verwaltung und eine effektive Regierungsführung müssen die nötigen gesundheits-, bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Voraussetzungen schaffen, damit ein Geburtenrückgang auch zu einem Entwicklungssprung führt.

Ökologische Risiken

Hinzu kommen ökologische Risken. In den afrikanischen und nahöstlichen Trockenzonen, wo das Bevölkerungswachstum stattfindet, wird sich der Druck auf die Ökosysteme wegen der starken Bodenerosion besonders verschärfen. Der Kampf um die begrenzten Trinkwasserressourcen und der zu erwartende Anstieg des Meeresspiegels in einigen Jahrzehnten wird künftig Millionen von Menschen dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen.

Der Strom von Flüchtlingen und Migranten aus klimatisch stark betroffenen Regionen wird nicht abklingen, bis wir die Klimakrise beheben. Der Klimawandel und das Bevölkerungswachstum werden langfristig die wichtigste Fluchtursache werden. Durch den Klimawandel könnte die zukünftige Migration bis 2050 mehr als 100 Millionen Menschen dazu bringen, ihre Heimat zu verlassen.

Quellen

https://www.welt.de/politik/ausland/article131157709/2050-muss-Afrika-zwei-Milliarden-ernaehren.html

Wie viel Bevölkerungswachstum verkraftet die Erde?
http://www.sueddeutsche.de/wissen/ueberbevoelkerung-wie-viel-bevoelkerungswachstum-verkraftet-die-erde-1.3842489 natur 02/2018

Studie : Afrikas demografische Herausforderung
https://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Afrika/Afrikas_demografische_Herausforderung.pdf

Studie: Von Wachstum und Überhängen
Was globale Bevölkerungsdynamiken für Europa und die betroffenen Länder bedeuten
https://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Von_Wachstum_und_Ueberhaengen/von_wachstum_und_ueberhaengen.pdf



Bevölkerungspolitik in Asien mit staatlicher Gewalt

Aus Angst vor der Bevölkerungsexplosion in Asien wurden zahlreiche zwangs- und gewaltfördernde Bevölkerungskontrollprogramme durch Uno-Organisationen, die Weltbank, die Ford-Stiftung und die Rockefeller-Stiftung in Kooperation mit vielen nationalen Regierungen durchgeführt. Die USA koppelten 1966 amerikanische Getreidelieferungen nach Indien an die Anstellung amerikanischer Bevölkerungsexperten.
Die UNFPA ist der weltweit größte Fonds zur Finanzierung von Bevölkerungsprogrammen. Er wurde 1967 als Treuhandfonds eingerichtet und begann seine Arbeit 1969. Seit 1972 ist er ein Nebenorgan der UNO.

Unterstützt durch ein 20-Millionen-Dollar-Darlehen der Weltbank, dem UN-Bevölkerungsfonds und den Internationalen Entwicklungsbehörden begann Indien bereits in den 1970er-Jahren massiv, die Bevölkerungszahlen zu senken.
Während des Ausnahmezustandes in Indien zwischen 1975 und 1977 wurden in einem einzigen Jahr über acht Millionen Inder sterilisiert. Die Regierung bestach sie mit Geld, drohte ihnen die Zerstörung ihrer Häuser an oder zwang sie mit Gewalt. 6,2 Millionen Sterilisierungen an Männern fand in nur einem einzigen Jahr statt. Was damals an Männern begann, wird immer noch bei Frauen durchgeführt. Fast 4 Millionen Sterilisierungen wurden 2013 bis 2014 an Frauen durchgeführt.
In Indien mit 3.000 registrierten Fortpflanzungskliniken macht inzwischen mit Leihmutterschaft einen Jahresumsatz von 450 Millionen US-Dollar. Die Hälfte der 25.000 in diesen Kliniken geborenen Babys wurden aus dem Ausland bestellt.

Genderzid

In China und Indien werden gezielt weibliche Föten abgetrieben. Vor allem in Asien gelten Jungen als höherwertig, weil sie für die Altersversorgung der Eltern sorgen und für Töchter eine hohe Aussteuer verlangt wird. Außerdem wurde dies durch die UNFPA gefördert.
Die "selektive Abtreibung nach Geschlecht" hat in Asien die Geburt von 117 Millionen M├Ądchen verhindert. In China liegt das Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen bei 118 zu 100, in einigen Gegenden kommen sogar schon über 130 Jungen auf 100 Mädchen.
Statistiken zufolge gibt es nach Jahrzehnten der Ein-Kind-Politik 43 Millionen mehr Männer als Frauen. Deshalb findet jeder vierte Mann keine chinesische Frau. Vor allem in den ländlichen Gegenden wurden Mädchen seit 35 Jahren systematisch abgetrieben. Die Folge: Der Menschenhandel boomt, denn immer mehr Männer kaufen sich ihre Traumfrau im Ausland. Schätzungweise werden jedes Jahr etwa 200.000 Frauen aus den Nachbarländern nach China verschleppt und zum Heiraten weiterverkauft.
Indien hat einen Männerüberschuss von 37 Millionen. Etwa zwei Millionen Mädchen werden jedes Jahr abgetrieben, ermordet oder sterben durch Vernachlässigung.
Die moderne medizinische Technologie hat ein Ungleichgewicht kolossalen Ausmaßes erschaffen. Männer sind in Indien und China gegenüber Frauen um 70 Millionen in der Überzahl.

Die Verbrechen der Bevölkerungspolitik in Asien dürfen sich in Afrika nicht wiederholen. Die Ehrfurcht vor allem Leben und der Grundsatz der unantastbaren Würde menschlichen Lebens verbieten den Mißbrauch der Medizin zu kriminellen Zwecken.

Auch in Europa gibt es den Genderzid. In Armenien und Aserbaidschan kommen auf 100 Mädchen derzeit etwa 117 Jungen zur Welt, in Armenien sind es 115, in Georgien 114, in Albanien sind es nach den Geburtenstatistiken 112 Jungen, wie in Indien und in Montenegro 110. Normal ist ein Geschlechterverhältnis von 100 Mädchen zu 105 Jungen.
Im Oktober 2012 wurde im dänischen Rundfunk publik, daß schwangere dänische Frauen seit Jahren in Schweden einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen, wenn ihnen das Geschlecht des erwarteten Kindes nicht zusagt. In Schweden ist eine Abtreibung bis einschließlich der 18. Woche erlaubt. In Norwegen und Großbritannien, gibt es bei Einwanderern aus asiatischen Kulturkreisen vor allem beim zweiten oder dritten Kind eine erkennbar jungenlastige Geburtenquote, was als typisches Indiz für eine vorgeburtliche Geschlechtsauswahl gilt.
Der Europarat hatte 2010 erstmals eine Arbeitsgruppe zum Genderzid eingesetzt und im Mai 2010 eine Resolution herausgebracht.

Quellen:

Die unerwünschten Töchter - Frauenmangel in Asien, 6.2.19 die story, WDR
https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLTZiZmE5OTEwLWYxYzYtNDBlZi05Y2JmLTgzZjIxNWNlYmE5MA/
Schriften des Gunda-Werner-Institus, Band 11 Sexuelle und reproduktive Rechte, Juni 2015
https://www.youtube.com/watch?v=7j3fXAgA8k0 11.11.15
http://www.imabe.org/index.php?id=1890
https://netzfrauen.org/2018/08/20/indien-2/ 20.8.18 Doro Schreier
https://netzfrauen.org/2016/07/25/abtreibung/ 25.7.16
https://www.mediasteak.com/frauenmangel-in-asien-doku/ 8.2.19