Gentechnik:

keine Gentechnik in unserer Nahrung!

 

 

Percy Schmeiser in Glandorf
am 17.Juni 2008



Percy Schmeiser züchtete über 50 Jahre in Kanada Raps-Samen, bis 1996 vier verschiedene genetisch veränderte Pflanzensorten in Kanada zugelassen wurden.
1998 verklagte die Firma Monsanto den Bauer Percy Schmeiser und unterstellte ihm, daß er Monsanto-Saatgut illegal angebaut hätte. Das Gericht entschied dann, daß jede Ernte, wo die von Monsanto patentierten Gene auftauchen in den Besitz von Monsanto übergeht. Dabei spiele es überhaupt keine Rolle, wie eine Ernte kontaminiert, also verunreinigt wird.

Percy Schmeiser: "Das kann auf sehr viele verschiedene Arten passieren: entweder durch den Wind, daß Pollen durch den Wind geflogen kommen oder durch Kreuzungen oder durch Bienen oder durch Vögel."

Percy Schmeiser: "Sie können keine Samen kontrollieren, die durch den Wind weitergetragen werden. Wenn Sie also etwas besitzen und Sie können es nicht kontrollieren, dann sollten Sie für den Schaden haftbar gemacht werden können."

Percy Schmeiser: "Es gibt keine Koexistenz. Es ist keine Koexistenz möglich. In ein paar Jahren gibt es nur noch gentechnisch veränderte Organismen (GVO). Man kann die Samen oder die Pollen nicht davon abhalten sich zu bewegen. Wenn sie also gentechnisch veränderten Raps einführen, wird es also innerhalb von kurzer Zeit nur noch gentechnisch veränderten Raps geben. Und mit allen anderen Getreidesorten ist es genauso. Es gibt keine sichere Entfernung." "Sobald man die GVOs eingeführt hat, gibt es keinen Weg zurück."

Am Ende siegte Percy Schmeiser vor Gericht gegen den Monopolisten Monsanto. Diese Firma mußte sich eingestehen, daß sie haftbar gemacht werden kann. Trotzdem versucht Monsanto immer weiter die Bauern in Verträge hineinzupressen, die die Bauern rechtlos machen.

Percy Schmeiser: "Wenn ein Bauer diesen Vertrag unterschreibt, dann gibt er alle seine Rechte an Monsanto ab. Er muß die Samen von Monsanto kaufen. Er kann seine eigene Samen nicht mehr neu benutzen, er muß die Chemikalien von Monsanto kaufen."

Der Bauer kann Monsanto weder verklagen noch seinen Fall veröffentlichen. Monsanto fordert die Bauern sogar auf, sich gegenseitig anzuzeigen.

Percy Schmeiser: "Was also jetzt auch zusammenbricht ist das ganze soziale Netzwerk in unseren Gemeinden, die Zusammenarbeit von den Bauern. Und das ist eines der schlimmsten Dinge, die geschehen sind durch die Einführung von GVOs." "Meine Frau und ich haben sehr oft Anrufe bekommen von Bauersfrauen, die am Telefon geweint haben und gesagt haben: die Polizei von Monsanto war hier, sie bedrohen uns, was sollen wir tun? Von allen diesen Dingen hört man in Europa nichts. Dies ist die andere Seite von Monsanto."

Mit dem Einsatz der Gentechnik verändert sich nicht nur die Pflanze, wo dieses Gen eingebaut wurde. "Die GVOs kreuzen sich und wandern in die anderen Arten dieser Familie, so daß diese auch verunreinigt werden und es sie nicht mehr in reiner Form gibt", so Percy Schmeiser.
Percy Schmeiser fordert, daß alle Patente auf Leben verboten werden müssen und daß jeder Bauer das Recht haben muß, jedes Jahr aus seiner eigenen Ernte wieder Samen zu benutzen.
Besonders kritisierte Percy Schmeiser den massiven Einsatz von Chemikalien in der Landwirtschaft.

Percy Schmeiser: "1996 hatte Monsanto den Bauern gesagt, sie werden weniger Chemikalien brauchen, sie werden größere Erträge haben und es wird nährstoffreichere Erträge geben. Ich erinnere mich sehr gut daran, wie sie gesagt haben: Wir werden den Hunger in der Welt beenden können. Innerhalb von 2-3 Jahren geschah genau das Gegenteil und es wird auch hier geschehen, sobald sie GVO hier einführen. In dem Moment wo sie GVOs hier einführen, werden Sie 3-4mal so viele Chemikalien brauchen und die Erträge werden runter gehen. Bei Raps um bis zu -10%, bei Soja -15% und der Nährwert liegt bei etwa 50% von konventionell oder ökologisch angebauter Ware. Wenn Monsanto oder andere Firmen also sagen, wir werden den Hunger in der Welt mit GVOs besiegen, dann ist das eine absolute Lüge."

Nicht nur die Umwelt und die Verbraucher werden von den Pestiziden geschädigt, auch die Bauern.

Percy Schmeiser: "In meiner Provinz, wo ich herkomme, werden über 30% aller Pestizide verwendet, die in ganz Kanada angewendet werden. Und wir haben die höchste Brustkrebsrate bei Frauen und die höchste Prostatakrebsrate bei Männern in Kanada. Zwei von vier Bauersfrauen haben Brustkrebs und mit Sicherheit hat einer von vier Männern Prostatakrebs. Jetzt haben wir also nicht nur die Schäden, die diese Organismen an unserem Getreide und unserer Umwelt gemacht haben, sondern auch die Schäden an unserer eigenen Gesundheit."

Auch das Bienenvölkersterben könne man auf die Wirkung von GVOs zurückführen. Der Honig ist in Kanada ebenfalls kontaminiert.

Percy Schmeiser: "Vor 3 Jahren wollte Monsanto das Terminator-Saatgut nach Kanada einführen. Es wurde von der kanadischen Regierung nicht erlaubt. Das war ein erneuter Versuch von Monsanto, die totale Kontrolle über die Samen und die Nahrungsmittel zu bekommen. Das Terminator-Gen ist ein Gen, das in das Saatgut eingeführt wird und aus dem Saatgut wird eine Pflanze, aber diese Pflanze ist steril. Sie kann sich nicht mehr vermehren. Aber die größte Gefahr ist, daß auch dieses Gen auskreuzen und auswildern kann in andere Teile dieser Familie und das es auch diese Arten unfruchtbar machen kann. Das ist die größte Gefahr, der größte Angriff auf das Leben, den es bis jetzt auf diesem Planeten gegeben hat."

Percy Schmeiser sagte: "Ich bin nicht nach Deutschland gekommen, um Ihnen zu sagen, was sie tun sollen. Ich bin gekommen, um Ihnen zu erzählen, wie es uns als kanadische Bauern mit den GVOs ergangen ist. Was Sie machen, ist Ihre eigene Entscheidung. Wir hatten 1996 niemanden, der zu uns gekommen ist und uns erzählt hat was passieren würde, wenn wir GVOs bei uns einführen in Kanada. Sie haben die Wahl."

Autor: U. Brehme



mehr unter:

Webseite von der Veranstaltung am 17.6.08 in der Gaststätte "Pocksaugust" in Glandorf
Webseite zum Vortrag von Percy Schmeiser